Essstörungen – die Zähne leiden mit

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an Essstörungen. Vor allem Mädchen und junge Frauen sind betroffen. Der Magerwahn hat Folgen für die Zahngesundheit.

„Der Schönheitswahn in den sozialen Medien setzt Jugendliche unter Druck. Selbstoptimierungs-Trends erzeugen ein verzerrtes Körperbild. Mit fatalen Folgen, die weit über Psyche und Ernährung hinausgehen“, warnt Univ.-Prof. Dr. James Deschner, Direktor der Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung an der Universitätsmedizin Mainz. „Essstörungen hinterlassen oft schwere Schäden an Zähnen und Zahnfleisch, die nicht oder nur sehr aufwändig repariert werden können.“

Zähne, die stillen Zeugen

Anorexie, Bulimie und Binge Eating – alle Essstörungen schaden der Mundgesundheit. Bei der von extremen Diäten geprägten Magersucht fehlen dem Körper essenzielle Nährstoffe. Geschwächter Zahnschmelz, brüchige Zähne, chronische Mundtrockenheit und eine anfälligere Mundschleimhaut sind die Folge. Die moderne Zahnmedizin bietet Möglichkeiten, das Fortschreiten von Schäden zu verhindern. Spezielle Lacke und Desensibilisierungsmittel schützen empfindliche Bereiche. Fluoridbehandlungen unterstützen die Remineralisierung des Zahnschmelzes gezielt. Vorausgesetzt es liegen noch keine größeren Defekte vor und der Schmelz ist lediglich geschwächt.

Gezielt Schäden vorbeugen

„Bestehen dagegen umfangreiche Schäden oder sogar Bruchstellen, lassen sich die ursprüngliche Form und Stabilität nur mithilfe von Füllungen oder Kronen zuverlässig wiederherstellen“, erklärt Prof. Deschner. „Unter bestimmten Voraussetzungen eignen sich auch Veneers. Bei ausgeprägtem Zahnfleischrückgang kann eine Weichteiltherapie helfen.“ Zahnschäden schreiten bei Essstörungen schnell voran. Deshalb ist ein strukturierter Behandlungsplan so wichtig.

Spezielle Pflegeroutine aufbauen

Die richtige Zahnpflege hilft, Schäden zu verringern. Viele Betroffene putzen übermäßig oder zu aggressiv. Vor allem direkt nach dem Erbrechen. Das schädigt den Zahnschmelz zusätzlich. Empfehlenswert ist es, den Mund mit Wasser oder einer milden Fluoridlösung zu spülen. Das Zähneputzen sollte etwa 30 bis 60 Minuten warten. Zur sicheren Pflegeroutine gehören eine weiche Zahnbürste, sanfte Bewegungen und fluoridhaltige, desensibilisierende Zahnpasta. Interdentalreinigungen und milde fluoridhaltige Mundspüllösungen unterstützen den Schutz von Zähnen und Zahnfleisch.

Zähne sind Baustein der Genesung

Die Verbesserung der Mundgesundheit spielt eine bedeutende Rolle im Genesungsprozess. Stabile, schmerzfreie Zähne erleichtern die Nahrungsaufnahme und stärken das allgemeine Wohlbefinden. Mit einfühlsamer Betreuung, regelmäßigen Kontrollen und individuell angepasster Pflege ist Mundgesundheit trotz Essstörung möglich.