Weisheitszähne als natürlichen Zahnersatz nutzen

Zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr brechen Weisheitszähne durch. Lange Zeit galt: lieber entfernen, bevor sie Probleme machen. Heute gehen Zahnärzte deutlich differenzierter vor. Dank moderner Diagnostik und schonender Behandlungsmethoden ist eine Entfernung längst nicht mehr in jedem Fall notwendig.

Ob Weisheitszähne bleiben können, hängt von ihrer Position, Form und der Größe des Kiefers ab. Haben sie genügend Raum und fügen sich problemlos in die Zahnreihe ein, dürfen sie bleiben. „Das pauschale Ziehen aller Weisheitszähne ist überholt“, erklärt PD Dr. Frank Peter Strietzel von der Charité Universitätsmedizin Berlin. „Viele Weisheitszähne können ein Leben lang im Mund verbleiben, wenn sie – wie alle anderen Zähne auch – regelmäßig kontrolliert werden und keine Beschwerden verursachen.“

Wann Weisheitszähne raus müssen

Müssen Weisheitszähne entfernt werden, liegt das meist an Platzmangel, Entzündungen, Karies oder einer abweichenden Wachstumsrichtung. Brechen sie nur teilweise durch, kann sich unter der Zahnfleischhaube ein mikrobiell besiedelter Biofilm ansammeln. Dann drohen Infektionen und Entzündungen mit Schwellungen und Schmerzen. Ein Eingriff ist sinnvoll, wenn sie wiederholt Beschwerden verursachen oder absehbar ist, dass sich die Zähne später problematisch entwickeln könnten. Der optimale Zeitpunkt liegt meist vor dem 25. Lebensjahr bzw. solange die Wurzeln noch nicht vollständig ausgebildet sind. Dann ist der Eingriff einfacher, die Heilung verläuft meist schneller und die Komplikationsrate ist geringer.

Weisheitszähne eignen sich als natürlicher Zahnersatz

Weisheitszähne eignen sich gut, um fehlende Zähne zu ersetzen und die natürliche Zahnreihe wiederherzustellen. Die sogenannte autogene Zahntransplantation ist eine biologische Form des Zahnersatzes. Dabei wird ein eigener Zahn, meist ein Weisheitszahn, operativ entnommen und an einer anderen Stelle im Kiefer als Ersatz eines dort fehlenden Zahnes eingesetzt. Ziel ist es, die natürliche Funktion, Ästhetik und Stabilität des Gebisses zu bewahren.

Hohe Verträglichkeit und natürliche Integration

Ein großer Vorteil dieser Methode ist ihre biologische Verträglichkeit. Der transplantierte eigene Zahn wird vom Körper als körpereigen erkannt, Abstoßungsreaktionen sind selten. „Die autologe Zahntransplantation bietet nicht nur eine biologische Lösung, sondern vermeidet auch den Einsatz von Fremdmaterialien im Körper“, erklärt Dr. Peter Strietzel. „Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit noch wachsendem Kiefer ist sie eine effektive und nachhaltige Behandlungsoption.“

Langzeiterfahrungen bestätigen den Erfolg: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate transplantierter Weisheitszähne liegt bei jugendlichen Patienten bei rund 90 Prozent, bei vollständig ausgereiften Zähnen bei etwa 80 Prozent. Damit überzeugt das Verfahren durch Stabilität, Langlebigkeit und eine sehr gute Einheilungsquote.

Die Transplantation von Weisheitszähnen stellt eine natürliche und patientenschonende Lösung bei Zahnverlust dar. Sie vereint Funktionalität, Biokompatibilität und Ästhetik, verzichtet auf Fremdmaterialien und nutzt das Potenzial des eigenen Körpers. Vor allem bei jungen Menschen bietet sie eine langfristige, biologische Alternative zu herkömmlichem Zahnersatz.